Nagel & Benz: Stay in May

Shownotes

Weil es zarte Andeutungen für Friedensgespräche im Iran gibt, steigt der DAX erstmals seit Beginn des Konflikts auf über 25.000 Punkte. Darüber und über die weitere Entwicklung der Märkte in den kommenden Wochen sprechen unsere Wertpapierexperten Frank Nagel und Alexander Benz der neuen Folge von Verblüffend Private.

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Ralf Bröker: Mein Name ist Ralf Bröker und heute zu Gast bei Verblüffend Private,

Ralf Bröker: dem Private Banking Podcast der Vereinten Volksbank, meine Kollegin Frank Nagel.

Frank Nagel: Einen wunderschönen guten Tag.

Ralf Bröker: Und Alexander Benz.

Alexander Benz: Hallo Ralf.

Ralf Bröker: Mit anderen Worten, wir haben heute wieder Nagel und Benz.

Ralf Bröker: Auf der Nachrichtenskala steht bei mir, dass zum ersten Mal seit dem Beginn

Ralf Bröker: des Irankrieges der DAX die 25.000 geknackt hat. Hey, es wird alles wieder gut.

Frank Nagel: Ja, lasse ich jetzt so stehen. Aber du hast recht, die 25.000 wurde geknackt.

Frank Nagel: Was ich daraus ableite, ist einfach, der Markt will nach oben.

Frank Nagel: Er wartet auf positive Nachrichten, um einfach wieder anzuziehen und nach oben zu gehen.

Frank Nagel: Und das sollte jedem Anleger eigentlich positiv stimmen, dass wenn die Werte

Frank Nagel: vielleicht gerade im Minus sind, trotzdem der Markt nach oben möchte.

Frank Nagel: Es ist Geld da, die Leute wollen da rein und warten eigentlich nur darauf,

Frank Nagel: dass die Vorzeichen stimmen, um auch wieder reinzugehen.

Ralf Bröker: Also ein Vorzeichen war ja auf jeden Fall die Andeutung von Friedensgesprächen

Ralf Bröker: und dass man dann vielleicht doch an einem Tisch sitzt.

Ralf Bröker: Hat sich das irgendwie ausgewirkt auf euren Alltag als Wertpapierexperten?

Alexander Benz: Außer, dass wir es mitverfolgt haben und die Nachrichtenlage natürlich auch

Alexander Benz: nicht an uns vorbeigeht, bekommt man das mit, die Friedensgespräche oder die

Alexander Benz: Andeutung von Friedensgesprächen.

Alexander Benz: Die Kundenreaktion darauf, die sind durchweg eher verhalten ausgefallen, muss ich sagen.

Ralf Bröker: Könnte ja was damit zu tun haben, dass es schon öfter mal so Signale gegeben

Ralf Bröker: hat und dass da nicht zwingend was bei rausgekommen ist.

Frank Nagel: Genau das. Du bringst es auf den Punkt. In der Vergangenheit oder in den letzten

Frank Nagel: Wochen wurde sehr viel über Frieden oder Friedensgespräche gesprochen und dass

Frank Nagel: man kurz vor Abschlüsse ist und dann ist immer wieder alles revidiert worden.

Frank Nagel: Also von daher auch jetzt klingt alles toll, hört sich alles super an,

Frank Nagel: was da im Moment gesagt wird.

Frank Nagel: Aber solange der Iran nicht sagt, ja das ist auch so und wir einigen uns,

Frank Nagel: braucht man im Moment nichts erwarten.

Ralf Bröker: Was wir aber erwarten dürfen, ist die Vereidigung des neuen Chefs der Zentralbank in den USA.

Alexander Benz: Richtig, genau. Letzte Woche Freitag gab es die Vereidigung von Kevin Walsh, auch im Weißen Haus.

Alexander Benz: Ist ja auch nicht so gang und gäbe bei den Notenbankpräsidenten.

Alexander Benz: Woraus man ja vielleicht schon eine gewisse Nähe zu Donald Trump auch ableiten kann.

Alexander Benz: Und da er ja auch jetzt vor dem Dilemma steht,

Alexander Benz: ob er als Handpuppe von Donald Trump fungiert und die Zinsen senkt oder ob er

Alexander Benz: wie vorher die Linie von Jerome Powell weiterfährt und von Notenbanksitzung

Alexander Benz: zu Notenbanksitzung entscheiden wird und damit auch diesen datenpunktgesteuerten

Alexander Benz: Pfad der Fed weiter fortführt, bleibt dann abzuwarten.

Alexander Benz: Weil eigentlich, wenn man so die letzten Datenpunkte gesehen hat,

Alexander Benz: was Arbeitsmarktentwicklung betrifft, was die hohen Inflationssätze in den USA

Alexander Benz: derzeit betrifft, gibt es nicht viele Anhaltspunkte für eine Zinssenkung am Markt.

Alexander Benz: Und im Gegenteil, es wird eigentlich

Alexander Benz: eher fürs Frühjahr 2027 die erste Zinserhöhung derzeit eingepreist.

Ralf Bröker: Ist das die Meinung der Experten oder ist das deine persönliche Meinung?

Alexander Benz: Beides. Also da muss man natürlich schon so ein bisschen auf die Experten auch

Alexander Benz: hören und vertrauen, aber das stütze ich da mit dem.

Ralf Bröker: Ich habe gelesen, dass es der EZB ähnlich geht. Also die denken auch darüber

Ralf Bröker: nach, eventuell auch mal wieder das Schräubchen nach oben zu drehen.

Frank Nagel: Ja, müssen sogar dann, weil im Moment haben wir nach wie vor,

Frank Nagel: wie gesagt, wir haben noch den Krieg, wir haben noch hohe Energiekosten,

Frank Nagel: Ölpreise, die einfach hoch sind.

Frank Nagel: Und von daher wird die EZB auch nicht drumherum kommen, bei anhaltender Inflation

Frank Nagel: oder sogar ansteigender Inflation gegenzuwirken. Machen Sie auch kein Geheimnis

Frank Nagel: draus, kündigen Sie ja immer an, dass wenn es so bleibt, dass man dann bereit

Frank Nagel: wäre, den Schritt auch zu gehen.

Frank Nagel: Die Märkte selber preisen Zinserhöhungen

Frank Nagel: ein, von daher wird sich niemand mehr wundern, wenn es kommt.

Ralf Bröker: Wundern sich dann auch unsere Mitglieder und Kundinnen und Kundinnen nicht,

Ralf Bröker: weil sie das auch erwarten? Weil sie es ja wahrscheinlich von euch auch nochmal

Ralf Bröker: bestätigt bekommen haben?

Alexander Benz: Genau, jeder Kunde, der ja bei uns im Beratungsgespräch ist,

Alexander Benz: mit dem wird ja auch ausführlich die Marktlage besprochen, wie die Erwartung ist.

Alexander Benz: Vielleicht hat der ein oder andere Kunde eine andere Grundmeinung,

Alexander Benz: aber das wird natürlich im gemeinsamen Beratungsgespräch erörtert.

Alexander Benz: Unsere Erläuterung wird dargelegt oder Begründung, warum wir der Ansicht sind,

Alexander Benz: dass die Zinsen ansteigen könnten.

Alexander Benz: Und dann muss man einfach gucken, ob es für den Kunden auch passt,

Alexander Benz: ob man da aufeinander kommt und die Entscheidung dann nachvollziehbar wird.

Ralf Bröker: Ihr habt vorhin so einen Zeitraum früher 27 mal so in die Mitte geworfen.

Ralf Bröker: Ich versuche es mal so auszudrücken. Fängt jetzt schon die Sommerpause an,

Ralf Bröker: was solche Dinge angeht?

Ralf Bröker: Gucken alle nur noch da drauf, dass da irgendwas von den Notenbanken kommt?

Ralf Bröker: Oder sagen die, nö, wir achten weiterhin auf die Schlagzeilen Frieden,

Ralf Bröker: ja, nein und damit praktisch auf das tägliche Auf und Ab?

Frank Nagel: Letzteres, wie gesagt, Zinserhöhungen sind im Moment eingepreist,

Frank Nagel: weil man einfach kein Ende sieht.

Frank Nagel: Umso schneller das Ende käme, umso schneller wird es ausgepreist werden.

Frank Nagel: Deswegen sieht man auch diese Sprünge an den Indizes, wenn gute Nachrichten

Frank Nagel: kommen, weil dann sofort diese Fantasie losgeht, oh doch keine Zinserhöhungen,

Frank Nagel: alles fällt wieder an Inflation und schon gehen sie alle rein.

Frank Nagel: Aber umso länger sich das zieht, umso wahrscheinlicher werden diese Zinserhöhungen.

Frank Nagel: Aber wie gesagt, die sind eingepreist.

Frank Nagel: Eine richtige Überraschung wird es nur geben, wenn wir wirklich Frieden sehen,

Frank Nagel: weil dann die Märkte noch weiter nach oben gehen.

Frank Nagel: Wenn wir keine sehen und die Zinserhöhungen kommen, sehen wir glaube ich gar nichts.

Ralf Bröker: Ist das dann die berühmt-berüchtigte Seitwärtsbewegung oder was wird dann passieren?

Alexander Benz: Das bleibt abzuwarten. Also das, was jetzt derzeit eingepreist ist,

Alexander Benz: ist in Europa ja zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende.

Alexander Benz: Darauf stellt der Kapitalmarkt sich ein.

Alexander Benz: Alles davon abweichend wäre eine Überraschung, wo mit Sicherheit mehr Volatilität einhergehen sollte.

Alexander Benz: Aber ja, wir stehen jetzt auch kurz vor der Sommerpause,

Alexander Benz: vor den neuen Inflationsprojektionen und Wachstumsprojektionen der EZB,

Alexander Benz: das bleibt mit Sicherheit für die nächsten Wochen dann auch spannend,

Alexander Benz: was jetzt da von Frau Lagarde als nächstes kommuniziert wird.

Alexander Benz: Und gerade so mit Blick jetzt auf den Monat kommen auch die Kalenderanomalien

Alexander Benz: wieder ein bisschen stärker raus.

Alexander Benz: Diese alten Börsenweisheit, go away und sell in May, gewinnt vielleicht bei

Alexander Benz: dem einen oder anderen Trader mehr an Bedeutung, weil die Börsenmonate erfahrungsgemäß

Alexander Benz: im Sommer ja vielleicht etwas handelsärmer ausfallen.

Ralf Bröker: Also ich muss gestehen, nach all dem, was ihr jetzt gerade gesagt habt,

Ralf Bröker: ist es doch echt ein Paradox, wenn der DAX dann wieder über 25.000 schreibt.

Ralf Bröker: Also du hast vorhin gesagt, das ist ein klares Zeichen dafür,

Ralf Bröker: dass die Märkte nach oben wollen.

Ralf Bröker: Aber bei allem, was ihr vorhin gesagt habt, würde ich ja meinen Pulver erstmal trocken halten, oder?

Frank Nagel: Und ich glaube, da ist das Problem. Keiner will der Letzte in der Reihe sein.

Frank Nagel: Weil wenn diese Nachricht kommt, dann geht es von jetzt auf gleich und schlagartig nach oben.

Frank Nagel: Dann brauche ich auch nicht mehr reingehen oder nicht sofort reingehen,

Frank Nagel: wenn ich sehe, okay, die Märkte schießen gerade sieben, acht Prozent nach oben,

Frank Nagel: sondern dann bin ich raus erst einmal.

Frank Nagel: Das will sich keiner nehmen lassen. Gerade die großen Gesellschaften,

Frank Nagel: die Fondsgesellschaften etc., die wollen auch nicht die Letzte in der Reihe sein.

Ralf Bröker: Ja, kann ich nachvollziehen. Und unsere Kunden, unsere Kundinnen und unsere

Ralf Bröker: Mitglieder wollen das auch nicht. Nachvollziehbarer Reise.

Ralf Bröker: Und rufen dann bei euch an und sagen...

Ralf Bröker: Ich habe da mal eine Idee oder habt ihr eine Idee? Was ratet ihr denn?

Alexander Benz: Auf jeden Fall, wie gerade schon erwähnt, nicht den Zug verpassen und dann lieber

Alexander Benz: schauen, dass ich ratierlich in den Markt investiere.

Alexander Benz: Vielleicht über einen Sparplan, wenn ich jetzt nicht ganz so viel Kapital derzeit an der Seite habe.

Alexander Benz: Ansonsten auch in der jetzigen Marktphase zumindest einen ersten Fuß in die

Alexander Benz: Tür bekommen, dass man sich eine feste Größe setzt für das Kapital,

Alexander Benz: was ich investieren möchte. und dann einfach in Etappen versucht,

Alexander Benz: gewisse Aktienpositionen und Titel aufzubauen.

Ralf Bröker: Die Märkte sind also alles andere als entspannt. Da tut sich eine ganze Menge.

Ralf Bröker: Wenn sich denn was tut in den Nachrichten?

Frank Nagel: Quasi. Ja, also die Märkte wollen hoch, ja, aber lassen sich sehr stark beeinflussen

Frank Nagel: von den negativen Nachrichten aus dem Iran.

Frank Nagel: Und von daher bleibt es, also es ist immer ein Buch mit sieben Siegeln, so ist es nicht.

Frank Nagel: Aber es ist schwerer einzuschätzen, wo die Reise gerade hingeht,

Frank Nagel: weil wenn der Markt heute drei Prozent nach oben geht, ist am Morgen vier Prozent im Minus.

Frank Nagel: Und das ist im Moment einfach gang und gäbe geworden durch diesen Konflikt und

Frank Nagel: man kann es besser wieder einordnen, wenn er mal aufhört, weil man dann wieder

Frank Nagel: mehr auf Marktlagen guckt, Inflationsdaten, Wachstumsdaten und, und, und,

Frank Nagel: die im Moment eher nebensächlich sind, weil sie halt vom Iran abhängig sind.

Ralf Bröker: Okay, wenn wir das nächste Mal zusammensitzen, sind wir vielleicht vier Wochen schlauer.

Frank Nagel: Mit Sicherheit.

Ralf Bröker: Oder vielleicht auch nicht, weil die Lage sich nicht verändert hat.

Ralf Bröker: Also selten war eine Kristallkugel so trüb wie aktuell. Geht mir zumindest so.

Alexander Benz: Auf jeden Fall.

Ralf Bröker: Trotzdem, draußen ist es schön und ich finde, man sollte mit dem,

Ralf Bröker: was man hat, auch diese sommerlichen schönen Zeiten genießen.

Frank Nagel: Unbedingt.

Ralf Bröker: In diesem Sinne, einen schönen Rest vom Mai.

Frank Nagel: Gleichfalls, alles Gute, bis zum nächsten Mal.

Alexander Benz: Danke, bis zum nächsten Mal.

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